Korbachs schnellste Currywurst

IMBISS AM BAHNHOF. Stammkunden haben das Geld für ihre Bratwurst längst in der Hand, wenn sie den Imbiss am Bahnhof betreten. Kaum bestellt, reicht eine der freundlichen Damen hinter der Imbisstheke das Gewünschte auch schon herüber. Nicht umsonst prangt auf dem Schild über dem Eingang: „Schnellimbiss am Bahnhof“ – im Volksmund bis heute „Kaisers Imbiss“.

Ganze Generationen von Korbachern und Gästen haben sich gegenüber dem Hauptbahnhof mit Bratwurst, Currywurst und Pommes frites versorgt. Bei „Kaisers“ sind alle gleich: Busfahrer und Conti-Arbeiter kommen oft schon frühmorgens auf Kaffee oder Currywurst vorbei; Schüler, Bänker und Verkäufer verbringen hier manche Mittagspause, Familien und Touristen stärken sich nach dem Einkaufsbummel in der Innenstadt.

Schnelle Truppe: Damals wie heute sorgen flinke Hände hinter der Theke des Imbiss am Bahnhof für prompte Bedienung.

Schneller Imbiss

Der frühere Inhaber, dem „Kaisers Imbiss“ seinen Namen zu verdanken hatte, soll eine neue Bedienung einst am Schlafittchen vor den Imbiss gezogen und mit den Worten „Was steht da oben?“ auf das Schild über dem Eingang gezeigt haben. „Schnellimbiss“, las die verdutzte junge Dame laut vor. „Na, eben!“, hätte der Herr Kaiser daraufhin gesagt und seine Angestellte wieder hinter die Theke befördert, wo sie künftig ebenso flott agierte wie ihre erfahrenen Kolleginnen.

Schnelle Bedienung ist aber nur eines der Merkmale, die den Schnellimbiss am Bahnhof bis heute auszeichnen. Besonders die unvergleichliche Currywurst hat das Geschmacksempfinden ganzer Generationen geprägt. Das Rezept für die Soße wurde stets wie ein Staatsgeheimnis gehütet und über die Jahre unverändert beibehalten.

Korbacher Bahnhofs-Connection: Direkt neben Kaisers Imbiss betrieb Hetzlers Wieschen ihre Trinkhalle. Eine Klingelanlage verband die beiden „Institutionen“. Wünschten Kunden zur Currywurst eine Limo, dann brauchte Heinz Kaiser nur kurz zu läuten, und schon kam Hetzlers Wieschen mit dem Getränk herüber.

Einzigartige Currywurst

Schon als der Vater des ersten Imbissbetreibers noch mit einem mobilen Grill über Land reiste, bezog er seine Würstchen ausschließlich von der Metzgerei Bernhard Tent. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sicher auch deshalb hat die Currywurst aus dem Schnellimbiss am Korbacher Bahnhof so manchen Besucher begeistern können, der von weit her nach Korbach kam.

Ende 2012 baten Bekannte aus Hamburg den heutigen Inhaber der Metzgerei Bernhard Tent, er möge ihnen doch beim nächsten Besuch in der norddeutschen Hansestadt eines jener einzigartigen Currywürstchen aus dem Bahnhofsimbiss mitbringen. Was vielleicht als Scherz gemeint war, sah Jürgen Tent als besondere Herausforderung. Mit großer Hingabe experimentierte er an unzähligen Portionen Bahnhofs-Currywurst, um einen Weg zu finden, diese möglichst genießbar und im Originalzustand nach Hamburg transportieren zu können. Selbst der vom „Feinschmecker“ ausgezeichnete „5-Sterne-Metzger“ brauchte seine Zeit, um die perfekte Lösung zu finden. Aber er fand sie! Nur ein besonders schonendes Einkochen bewahrte den einzigartigen Geschmack der Currysoße und sicherte zudem eine akzeptable Konsistenz der Bratwurst.

Das Original im Glas

Was die Hamburger Currywurst-Freunde so begeisterte, ist seitdem fester Bestandteil im Sortiment der Metzgerei Bernhard Tent: „Original Currywurst vom Korbacher Bahnhofs-imbiss“ im Glas. So kann man nun daheim, im Wasserbad oder im Topf erhitzt, jederzeit die Currywurst genießen, die schon zu „Kaisers Zeiten“ in Korbach legendär war.
Wer möchte, kann ja vor dem Servieren ein paar Münzen in die Hand nehmen, um seine Currywurst mit noch etwas mehr Bahnhofsimbiss-Atmosphäre zu „würzen“.
(wh/Fotos: Imbiss am Bahnhof.)

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